© Oliver Tursic 2018
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

INFOS

Sammlung Hierling

Die   bedeutendste   Kunstsammlung   des   Expressiven   Realismus   ist   seit   28.   Mai   2009 in der neuen Kunsthalle in Schweinfurt zu sehen Die   Stadt   Schweinfurt   ist   um   eine   überregionale   Attraktion   reicher.   In   der   neuen Kunsthalle   im   früheren   Ernst-Sachs-Bad,   das   hierfür   generalsaniert   wurde,      ist   nun die        bedeutendste    Sammlung    zur    Kunst    des    Expressiven    Realismus    zu    sehen. Eigentümer   Joseph   Hierling   hat   der   Stadt   per   Vertrag   die   Übernahme   von   fast   350 Werken   als   Dauerleihgabe   gestattet.   Damit   werden   in   Schweinfurt   nun   Kunstwerke durchgehend    von    der    Zeit    vom    späten    18.    Jahrhundert,    vertreten    durch    das Museum Georg Schäfer, bis in die Moderne zu sehen sein. Am   Tag   der   Vertragsunterzeichnung   kannte   die   Freude   bei   den   Verantwortlichen keine    Grenzen.    „Das    ist    ein    ganz    besonderer    Glücksfall    und    Glückstag    für Schweinfurt“,    sagten    Oberbürgermeisterin    Gudrun    Grieser    und    der    Leiter    des Kulturamtes,    Dr.    Erich    Schneider,    unisono.    Letzterer    hatte    durch    seine    engen Kontakte    zu    Hierling    den    Kunst-Deal    überhaupt    erst    möglich    gemacht.    In    der Kunsthalle   im   Ernst-Sachs-Bad   werden   die   außergewöhnlichen   Werke   von   Malern wie   Albert   Birkle,   Wilhelm   Kohlhoff   oder   Franz   Frank   mindestens   zehn   Jahre   lang als Dauerleihgabe zu sehen sein. Welchen     Stellenwert     die     Joseph     Hierling     Sammlung     bundesweit     hat,     das verdeutlichte   der   Kunstsammler   höchstpersönlich.   „Bei   aller   Bescheidenheit,   aber mit   dieser   Sammlung   erhält   Schweinfurt   eine   einmalige   Kollektion,   die   in   dieser Form   sonst   nirgends   zu   sehen   ist.“   In   der   Tat   gilt   die   Sammlung   des   ehemaligen Münchner    Galeristen    nach    Überzeugung    von    Fachleuten    als    die    wichtigste geschlossene    Sammlung    zur    Kunst    des    Expressiven    Realismus.    Mittlerweile werden   manche   Werke   von   bekannten   Vertretern   wie   Birkle   selbst   in   den   USA   zu Höchstpreisen veräußert. Die   insgesamt   342   Gemälde   hat   Hierling   teilweise   schon   in   den   70er   Jahren,   als jene   Kunst   noch   ein   Schattendasein   fristete,   erwerben   können.   Er   selbst   räumte denn   auch   anlässlich   der   Vertragsunterzeichnung   ein,   dass   es   für   ihn   heutzutage finanziell    unmöglich    wäre,    noch    einmal    eine    solche    besondere    Sammlung    zu erschaffen.   „Nur   weil   ich   die   Künstler   schon   damals   persönlich   kannte,   wie   zum Beispiel   Birkle,   konnte   ich   diese   Spitzenwerke   zusammentragen.   Das   wäre   heute nicht    mehr    möglich“,    so    Joseph    Hierling,    der    zur    Vertragsunterzeichnung    das Selbstbildnis   des   damals   76-jährigen   Malers   Franz   Frank   als   „Appetithäppchen“   im Gepäck hatte. Der   Expressive   Realismus   gilt   als   Begründer   der   Moderne,   ist   aber   kein   Stil   wie   der Impressionismus,    sondern    lediglich    ein    Generationenbegriff.    Deren    Vertreter waren   zu   Beginn   des   20.   Jahrhunderts   geboren,   und   sie   gelten   als   benachteiligte Kunstgeneration    –    durch    die    beiden    Weltkriege,    Nationalsozialismus-Zeit    sowie den     Wiederaufbau     des     zerstörten     Deutschlands.     So     wurde     der     Expressive Realismus    lange    Zeit    kaum    beachtet    und    geachtet.    Joseph    Hierling    sieht    auch deshalb      die      Dauerausstellung      in      Schweinfurt,      die      immer      wieder      mit Wechselausstellungen   angereichert   werden   soll,   als   „ein   Stück   Wiedergutmachung für   eine   Kunstgeschichte,   die   im   vergangenen   Jahrhundert   durchs   Raster   gefallen ist.“ Dr.   Erich   Schneider   kündigte   im   Rahmen   der   Vertragsunterzeichnung   an,   dass weitere     Werke     des     Expressiven     Realismus,     die     im     Besitz     der     städtischen Sammlungen   sind,   in   dieser   Ausstellung   ab   2009   zu   sehen   sein   werden.   Unter anderem   handelt   es   sich   dabei   auch   um   einige   weitere   Birkle-   sowie   auch   Emil Scheibe-Werken.    In    der    Kunsthalle    sollen    zudem    unter    dem    organisatorischen Dach    der    Museen    und    Galerien    der    Stadt    alle    musealen    Einrichtungen    und Initiativen   zur   Kunst   des   20.   Jahrhunderts   eingebracht   werden.   Die   Sammlung   von Joseph    Hierling    bedeutet    für    die    Kunststadt    Schweinfurt    somit    auch    einen Lückenschluss,    weil    dessen    Werke    die    Zeit    zwischen    den    beiden    Weltkriegen abdeckt.    Bislang    lag    der    Schwerpunkt    der    bisherigen    Sammeltätigkeit    in    der deutschen   Kunst   nach   1945,   der   Anschluss   an   die   Werke   zum   Museum   Georg Schäfer fehlte somit. Damit   nicht   genug,   kündigte   Joseph   Hierling   abschließend   an,   dass   die   Sammlung damit    noch    nicht    abgeschlossen    ist.    Weitere    „kapitale    Bilder“    sollen    in    den kommenden    Jahren    nach    Schweinfurt    kommen.    Auch    eine    Fortführung    der Dauerausstellung     über     2018     ist     möglich,     einerseits     durch     eine     Option, andererseits   weil   der   Sammler   an   die   Überführung   der   Werke   in   eine   Stiftung nachdenkt. Oberbürgermeisterin   Gudrun   Grieser   bedankte   sich   deshalb   auch   besonders   bei Hierling   sowie   bei   Dr.   Schneider   für   den   Kontakt   und   versicherte:   „Ich   bin   sehr zuversichtlich, dass wir ihre Bilder sehr gut in Schweinfurt präsentieren werden.“