© Oliver Tursic 2018
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

EXPRESSIVER REALISMUS

Was ist das?

Franz    Frank    gehört    zu    einer    Künstlergeneration,    die    zwischen    1890    und    1910    geboren    werden    und    die Errungenschaften   des   Impressionismus   und   des   Expressionismus   in   eine   "malerische   Malerei"   umsetzen.   In den    Akademien    der    Zwanzigerjahre    lehren    zum    Großteil    noch    Professoren,    die    aus    dem    ausgehenden Neunzehnten   Jahrhundert   kommen   und   der   impressionistischen   Maltradition   verbunden   sind.   Die   Studenten dagegen   sind   bereits   dem   Expressionismus   gegenüber   sehr   kritisch.   In   ersten   Werkübersichten   werden   die großen    Erneuerer    der    Europäischen    Kunst,    Van    Gogh,    Cezanne,    Munch    oder    Corinth    gezeigt.    Die    jungen Künstler sehen in diesen Malern ihre wahren Vorbilder. In   jungen   Jahren,   viele   der   Künstler   sind   gerade   18   Jahre   alt,   ziehen   sie   in   den   Ersten   Weltkrieg.   Desillusioniert kehren   die   Überlebenden   zurück   und   erkennen,   dass   ihnen   von   den   Professoren   an   den   Akademien   auch   nicht die      erhofften      Anregungen      mitgegeben      werden.      Nach      Beendigung      des      Kunststudiums      folgt      die Weltwirtschaftskrise    mit    Inflation    und    Arbeitslosigkeit.    Diese    Eindrücke    müssen    künstlerisch    verarbeitet werden.   Ungegenständlich   zu   malen   ist   für   sie   nicht   der   Weg,   den   sie   gehen   möchten.   Das   Erlebte   muss   zu Papier und auf die Leinwand gebracht werden. Für   einige   stellen   sich   erste   Erfolge   ein.   Sie   bekommen   positive   Kritiken   und   werden   in   renommierten   Galerien ausgestellt.   Einige   wenige   erhalten   Professuren   an   Kunstakademien.   Aber   die   Zeit   ist   zu   kurz,   um   bei   den Kunstkritikern und Sammlern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mit Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft   werden   zudem   viele   Künstler   dieser   Generation   verfemt.   Ihre   Werke,   sofern   sie   überhaupt schon   von   Galerien   und   Kunstsammlungen   angekauft   wurden,   werden   entfernt.   Die   Künstler   müssen   zum zweiten   Mal   in   den   Krieg   und   ein   Großteil   der   Werke,   die   bis   1945   entstehen,   fallen   den   Bombennächten   zum Opfer. Auch viele Künstler überleben das "Tausendjährige Reich" nicht. Überzeugt,   an   die   Erfolge   vor   der   Machtergreifung   durch   die   Nationalsozialisten   anknüpfen   zu   können,   werden die   Künstler   von   der   nun   geführten   Kunstdiskussion   bitter   enttäuscht.   Im   Westen   der   Republik   werden   zu Beginn     der     fünfziger     Jahre     zuerst     die     verfemten     Expressionisten     wieder     entdeckt     und     danach     die ungegenständlich    malenden    Künstler    massiv    gefördert.    Im    Osten    wird    der    Soziale    Realismus    als    einzige Kunstrichtung   akzeptiert.   Deshalb   ist   für   viele   Künstler   diese   Nichtbeachtung   schlimmer,   als   die   während   des Dritten   Reiches,   denn   damals   wollten   sie   gar   nicht   zur   herrschenden   Kunstrichtung   dazugehören.   Die   Hoffnung auf   breite   Anerkennung   ihrer   Kunst   wird   leider   bei   vielen   guten   Künstlern   bis   zu   ihrem   Tod   nicht   erfüllt. Dennoch,   oder   gerade   deshalb   bleiben   sie   ihrer   Kunst   treu.   Der   Gegenstand   ist   und   bleibt   in   der   Malerei   des Expressiven   Realismus   das   zentrale   Thema,   auch   wenn   ihr   Spätwerk   bei   vielen   der   Künstler   des   "Expressiven Realismus"   einen   starken   Abstraktionsgrad   aufweist.   Nicht   umsonst   haben   sich   die   "Jungen   Wilden"   der Achtziger   Jahre   auf   ihre   Vätergeneration,   die   Künstler   des   "Expressiven   Realismus"   berufen.   Aufgrund ihrer Geschichte werden die Künstler auch einer "Verschollenen Generation" zugerechnet.